Ullrich Wannhoff, Berlin

Über meine Arbeiten am malerischen Zyklus "Gilgamesch"

Für mich sehe ich in König Gilgamesch, die sinnliche Seite, das "Haptische". Als Person ist er sehr plastisch beschrieben, seine Brutalität, das Tyrannische, seine Gier nach Macht und Anerkennung. Erst mit dem Tod seines Freundes Enkidu beginnt für Gilgamesch der Leidensweg, die Weite und Melancholie, die ihn bis zum Ende nicht mehr loslässt. Durch die wird er geläutert, wird er weich. Erst durch den Verlust Enkidu erfährt er Liebe. Das Herumirren in der Steppe mit dem Schmerz, endlich zu sein, trägt ihn in eine andere Welt. Der zweite Teil ist der entscheidende und interessantere Punkt - das was uns ausmacht, das Kulturvolle, die Besinnung auf andere Werte, und dass es kein Zurück gibt! Der Jäger als Nomade, genauso wie der Bauer als Sesshafter schlachtet, aber liebt gleichzeitig seine Tiere (oft haben die Tiere Namen). "Die Liebe geht durch den Magen". Wir töten das Liebste, um zu existieren. Ich habe hunderte Seevögel und Fische gegessen, um in der Wildnis zu überleben und gleichzeitig habe ich sie beobachtet und lieben gelernt.

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Humbaba
Zeicherischer Entwurf zu “Humbaba, der Dämon und Wächter des Zedernwaldes”

Gilgamesch wird auf seinem steinigen Weg zu Ut-napisthi, dem Unsterblichen, auf einmal sensibler, wacher für Alles und dadurch wird sein Leben reicher. Ab und zu wirft ihn das Ego zurück zu alten Mustern. Eine unendliche Geschichte.

In dem Gilgamesch Epos klingen matriachalische Elemente durch, die von den nomadischen Völkern her stammen. Dort wo es noch kein Eigentum gab. Das Gilgamesch Epos wird nie ausgereizt werden, weil wir immer neue Interpretationen finden.

Mein Blick auf den Gilgamesch Epos ist ein Anderer als der von Personen, die sich mit der Schrift auseinandersetzen. Bei mir sind es die Naturerfahrungen, die ich hautnah erlebt habe, die archaischen Formen, die sich mit der Kulturlandschaft Berlins reiben. Es sind Polaritäten die sich gegenseitig bedingen und brauchen, so wie im "Gilgamesch Epos".

Ullrich Wannhoff im Dezember 2016