Ullrich Wannhoff, Berlin

 

Georg Wilhelm Steller

Stellers Reise von Kamtschatka nach Amerika 1741

Die Entdeckung der Nordwestküste von Amerika
 
Gletscher Kayak Island
"Ich kann mich nicht erinnern ein höheres Gebirge in ganz Sibirien und Kamtschatka gesehen zu haben."
Blick von Kayak Island auf das hohe Festland Amerikas mit dem Bering Gletscher.
 
Nach wochenlanger Seefahrt von der Halbinsel Kamtschatka Richtung Osten sichtete die Crew um Vitus Bering, ein Däne in russischen Diensten, eine Insel. Am Tag des Heiligen St. Elias dem 20. Juli 1741 (nach russischem Kalender) erhielt diese Insel ihren Namen St. Elias (heute Kayak Island), gleichlautend wurde der höchste schneebedeckte Berg auf dem nahen Festland getauft.
 
Kayak Island
"Wir liessen aber das feste Land zur rechten, und giengen nordwestlich, um hinter eine hohe Insel zu kommen, welche aus einem einzelnen Gebürge bestand und mit lauter Tannenwaldung versehen war."
Am frühen Morgen galt es einen günstige Wasserstelle zu finden, um die leeren Fässer mit Trinkwasser zu füllen. Das Wetter zeigte sich von der schönen Seite und das Meer verhielt sich ruhig. Die Besatzung wurde aufgeteilt. Für die Begutachtung des Wassers beauftragte man den deutschen Naturforscher Georg Wilhelm Steller. Dieser mußte dem Kapitän zur knappen Erkundung der Insel eine Zeit von 10 Stunden geradezu abringen. Als einzigen Helfer teilte ihm Bering lediglich den Kosaken Thomas Lepechin zu.
 
Küste von St. Elias
"... da wir am Montag, als den 20sten, zwischen lauter Inseln, vor Anker zu stehen kamen, wovon die äusserste, weil man darunter am Eliastage zu stehen kam, Cap Elias heissen mußte."
Mit Recht beschwerte sich Steller, am Ziel einer zehnjährigen Expedition nur zehn Stunden Zeit zur Entdeckung von Amerika gewährt zu bekommen. Seine hinterlassenen Aufzeichnungen kann er nicht mehr selbst aufarbeiten. Auf der Rückreise nach St. Petersburg stirbt Steller am 12.11. 1746 in Tjumen. Seine umfangreichen Beschreibungen, aber nur bruchstückhaft erhaltenen Sammlungen, finden bis heute in Deutschland wenig Beachtung.
 
Küste von St. Elias
"Es ist unbegreiflich, daß an keine ernstliche Untersuchung und Besitznehmung des entdeckten Landes hat gedacht werden wollen."
Im Hintergrund Wingham Island, nördlich von Kayak Island.
 
Rund 250 Jahre nach Steller gelang es mir, die Spuren der Großen Nordischen Expedition aus eigener Anschauung zu verfolgen und nachzuerleben. In den Jahren von 1991 bis heute unternahm ich fast jährlich Langzeitreisen durch Kamtschatka und die Kommandeurinseln. Mit den alten Expeditionsberichten im Rucksack konnte ich viele historische Details vor Ort erkunden, vergleichen und nachvollziehen.
 
Ebbefeld auf Kayak Island
"... daß man frisch Wasser einnehmen sollte; daher ich mich nicht enthalten konnte zu sagen; wir wären nur um Amerikanisches Wasser nach Asien überzubringen gekommen."
Ebbefeld in der Nähe der Wasserstelle.
 
1998 segelte ich mit meinem russischen Freund Sergej Pasenjuk 660 Seemeilen, entlang der Küste Noramerikas. Der Törn führte uns, sozusagen in Berings Kielwasser, von der Insel Kodiak über Homer (Kenai Halbinsel) und Kayak Island bis nach Jakutat.
 
Ebbefeld mit Blasentang
Die Ebbefelder sind mit Blasentang überzogen. Hier befinden sich große Miesmuschelbänke. Steller hat in dieser Nähe eine Feuerstelle mit leeren Miesmuscheln gefunden, die von den Ureinwohnern zurück gelassen wurde.
 
Ein kleines Flugzeug brachte mich auf die unbewohnte Kayak Insel; dort führte ich einen Monat lang Beobachtungen durch und legte zahlreiche Herbarienblätter an, die der Geobotaniker Prof. Jäger von der Martin Luther Universität Halle auswertete. Er verglich die botanischen Manusktipte Stellers mit meiner Aufsammlung von Pflanzen. Dieser Vergleich warf erfreulicherweise mehr Licht aufs Stellers lateinisch verfaßte Niederschrift.
 
Ebbefeld mit Blasentang
Wie Grabsteine schauen die Sedimente, die mit Seepocken überzogen sind, aus dem Felswatt heraus.
Dr. Wieland Hintzsche (Halle/Saale) danke ich für die akribische Bearbeitung der umfangreichen Aufzeichnungen Stellers und für die Dokumentation der Zweiten Kamtschatka-Expedition. Die von ihm veröffentlichten Bücher sind für mich eine nie versiegende Quelle der Information und Inspiration und eine hervorragende Ergänzung meiner eigenen Erfahrungen in der einsamen Wildnis. Lange Nachtgespräche am Telefon vertieften meine Kenntnisse der Materie.
 
Insel Wingham
Ein Bildausschnitt vom Flugzeug aus auf die Insel Wingham, die unmittelbar nördlich von Kayak Island sich anschließt. Die Seeoffiziere suchten die kleine Insel auf, aber ohne große Unternehmungen.
 
Für bibliophile Beratung und die Beschaffung der häufig abgelegenen und seltenen Fachliteratur möchte ich den Göttinger Antiquar Swen Alpers meinen Dank aussprechen. Er hat durch seine Arbeit mein Wissen um ein Vielfaches bereichert. Darüber hinaus entstand über die Jahre eine tiefe Freundschaft.
 
Insel Kayak
Ein größerer Teil der Insel Kayak wird von der Steilküste umringt und in Richtung Festland läuft die Insel flach aus. Stellers Behauptung dahinten einen Hafen zu finden muß verneint werden.
 
Meine Aufsammlung von Federn liegt wohlbehütet und bearbeitet bei Dr. habil Wolf-Dieter Busching, Direktor des Naumann-Museum in Köthen / Sachsen Anhalt.
 
Tuffschichten auf Insel Kayak
Starke Naturgewalten verändern ständig die Küstenformation, wie hier ein zusammen gesacktes Felsmassiv, deren weiche Tuffschichten (vulkanischen Ursprungs) gut erkennbar sind.
 
Meine praktischen Erfahrungen, Entbehrungen und Selbstversorgung in der Wildnis, sind eine gute Komplettierung zu den Bildern der Gelehrten aus dem 18. Jahrhundert bis in unsere heutigen Gegenwart. Vor allem deutschen Naturforschern die sich an russischen Expeditionen anschlossen, gilt mein großes Interesse.
 
Steller Route auf Kayak Island
Stellers Route in etwa 10 Stunden auf Kayak Island.
 
Nach einem Monat Aufenthalt rekonstruierte ich den zehn-Stunden-Aufenthalt von Steller auf Kayak Island anders als amerikanische Historiker, die aus ihm ein Marathonläufer machten.
 
Stich von Kayak Island nach Steller
Ein Stich nach Stellers Skizzen.
 
Erstaunlich wie gut diese Karte nach seinen Forschungen gestochen wurde. Das eingezeichnete Tal zeigt, dass Steller auf einem höheren Berg gestanden hat, um in das schmale Tal einzublicken.
Schwarzkopfhaeher auf Insel Kayak
"Dieser Vogel überzeugte mich, daß wir würklich in Amerika sind".
Der Schwarzkopfhäher (Cyanocitta stelleri) im englischen Steller's Jay. Eine der wenigen Bezeichnungen, wo der Name Steller erwähnt wird.
In meinem Privatarchiv lagern tausende von Dias sowie zahlreiche Skizzenbücher, schriftliche Aufzeichnungen und künstlerische Arbeiten, die durch regelmäßige Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert werden.