Ullrich Wannhoff, Berlin

 

Peter Simon Pallas

Eine geplante Ausstellung über Peter Simon Pallas

Pallas nach Geißler
Pallas botanisierend - kolorierter Stich von dem Expeditionszeichner Ch. G. H. Geißler (170-1844), der Pallas auf der Krim begleitet.
Peter Simon Pallas war Zoologe, Botaniker, Paläontologe, Geologe, Geograph, Mineraloge, Ethnologe, Sprachforscher und Historiker. 43 Jahre seines Lebens verbrachte er als Gelehrter an der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Berühmt wurde er als Leiter von zwei Forschungsreisen im Dienste der Zarin Katharina II., die ihn in bis dahin weitgehend unerforschte Weiten Russlands brachten. Seine - staatlich finanzierten - Expeditionen dienten ökonomischen und wirtschaftspolitischen Zielen, doch seine Forschung machte ihn zum frühen Chronisten ökonomischen und soziokulturellen Wandels, der Russland seit dem späten 18. Jahrhundert zu einer Weltmacht aufsteigen ließ. Gerade seine Beobachtungen der Völker im Süden Russlands sind bis heute spannend. Insgesamt beschrieb Pallas fünfzehn Völker Russlands, die Mehrzahl davon turksprachige. Seine Sammlungen zur Linguistik einzelner Völker ist ein Schlüssel zum Verständnis vieler Kulturen, die heute nicht mehr existieren.
 
stich-reise-russisches-reich
Stich aus dem Werk - "Reise durch verschiedene Provinzen des Russischen Reiches" in drei Bänden 1771-1776
 
Mit der Ausstellung soll Peter Simon Pallas auch in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Gleichzeitig gibt sie einen Einblick in die fruchtbaren deutsch-russischen Wissenschaftsbeziehungen während des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die Pallas maßgeblich mitgeprägt hat. Im Zentrum der Ausstellung stehen die beiden großen Forschungsreisen Pallas' mit ihren wissenschaftlichen Ergebnissen. Hiervon ausgehend wird die wissenschaftliche Welt des 18. Jahrhunderts, die Breite der Forschung und die länderübergreifende Diskussion des Neuen und Unbekannten lebendig.
 
Herbarienblatt
Herbarienblatt aus dem botanischen Museum Dahlem Berlin
 
Die Ausstellung arbeitet vorwiegend mit multimedialer Technik und Exponaten. Im Zentrum steht eine bei den Mongolenvölkern genutzte Jurte, wie sie Pallas in seinen Reisenberichten beschrieben hat. In dieser Jurte werden einige Alltagsgegenstände - z.B. Kleidung, Ornamentik, Teppiche - gezeigt. Die Besucher haben die Möglichkeit dort zu verweilen und auf Monitoren für das Projekt erarbeitete Dokumentationen zum Thema zu sehen.
 
Spicelegia Zoologica
”Spicelegia Zoologica“ 1769 war eines seiner ersten Veröffentlichungen aus St. Petersburg. - Gesammelte Objekte frühere Expeditionen, die er während der Aufarbeitung aus dem Naturalienkabinett niederschrieb.
 
Es werden außerdem zoologische, ethnologische und botanische Objekten zu sehen sein, die Pallas von seinen Reisen mitbrachte - Herbarienblätter, Mineralien, Teile der zoologischen Sammlung, Alltagsgegenstände der verschiedenen Volksgruppen, die sich heute in Berlin im Naturkunde Museum, im Botanischen Museum sowie in Leipzig, Halle, Frankfurt und St. Petersburg befinden. Daneben soll ein Teil seines umfangreichen schriftlichen Werks im Original gezeigt werden, das u.a. in der Staatsbibliothek in Berlin aufbewahrt wird. Die Ausstellung arbeitet auch mit großformatigen Reproduktionen der Abbildungen, die während der Expeditionen entstanden. Grundlage sind u.a. die farbigen Zeichnungen des Kupferstecher Christian Gottfried Heinrich Geissler (1770-1844), der Pallas auf seiner zweiten Expeditionen ab 1791 auf der Krim begleitete.
 
Gräber osmanischer Chane
Gräber osmanischer Chane, kolorierter Stich, Ch. G. H. Geißler
 
Die Ausstellung wird - voraussichtlich 2014 - im Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg gezeigt und damit in dem Berliner Bezirksteil, in dem Pallas seine letzten Lebensjahre verbrachte, sein Hauptwerk, die Zoographia Rosso Asiatica vollendete und in dem sich sein Grab bis heute befindet.
 

Leben und Wirken von Peter Simon Pallas (1741-1811)


Neue Nordische Beyträge
“Neue Nordische Beyträge…” 1781-1796 in 6 Bd. Niederschriften und Aufzeichnungen zeitgenössischer und älteren Expeditionen die Pallas herausgab
 
Peter Simon Pallas wird am 22. September 1741 in Berlin geboren - ein Jahr zuvor war Friedrich II König von Preußen geworden. Der Vater Simon Pallas ist ein Mediziner, der als Professor der Chirurgie am Collegium medico-chirurgicum lehrt und als Wundarzt an der Charité tätig ist. Die Mutter Susanna Pallas - eine geborene Leonard oder Lienard - stammt aus einer Familie hugenottischer Zuwanderer aus Frankreich, die in der zweiten Generation in Berlin lebt.
 
Pallas-Katze
Tiernamen in denen Pallas vorkommt, wie hier Pallas Cat, Pallas-Katze, Manul. Foto: aus dem Tierpark Berlin
 
1754 - mit 13 Jahren - nimmt der hochbegabte Pallas seine Studien am Collegium medico-chirurgicum in Berlin auf. Er besucht anatomische, physiologische und botanische Vorlesungen. Weitere Studien führen ihn an die Universitäten von Halle an der Saale (1758), Göttingen (1759) und Leiden in Holland. Hier promoviert er 1760 zum Doktor der Medizin. In den Jahre 1761 bis 1767 lebt er in Holland und macht Reisen nach England. Er lernt bedeutende Gelehrte seiner Zeit kennen, besucht wissenschaftliche Sammlungen und Naturalienkabinette und macht mit seinen Schriften Elenchus Zoophytorum, Miscellanea Zoologica (1766) und der Spicilegia Zoologica (1767) erstmals in der wissenschaftlichen Welt auf sich aufmerksam - nur die erhoffte feste Anstellung erhält Pallas nicht. Statt dessen beruft ihn Katharina II. 1767 an die Russisch-Kaiserliche Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg. Pallas folgt dem Ruf und verbringt fortan über 40 Jahre in Russland. Schon 1768 wird Pallas zum Leiter einer akademischen Expedition bestimmt. Die Forschungsreise, die bis 1774 dauern wird, führt ihn und seine Mitarbeiter in den Ural, an die Wolga und nach Sibirien. Die Wissenschaftler können sich auf die Forschungsergebnisse, der so genannten zweiten Kamtschatka Expedition berufen, deren wissenschaftliche Ergebnisse und gesammelten Objekte in Naturalienkabinett an der Petersburger Akademie vorliegen.
 
Schamanen russischer Völkerstämme
Kolorierter Kupferstich von Geißler von 1803 aus dem Werk “Abbildung und Beschreibung der Volkstämme und Völker unter des Russichen Kaisers…”
 
Im Vordergrund der von der Zarin finanzierten Expedition stehen ökonomische Belange. Ziel ist die Erforschung der Bodenschätze Russlands, insbesondere des Uralgebirges, und die Möglichkeit deren Nutzung. Schon während der Reise bereitet Pallas druckfertige Manuskripte mit seinen Forschungsergebnissen vor, von denen ein Teil noch während seiner Abwesenheit von der Akademie publiziert wird.
 
Billings-Expedition
Ein Teil der von Pallas mitgebrachten Vögel aus der Billings-Expedition, Naturkunde Musem Berlin
 
Die Jahre 1775 bis 1792 verbringt Pallas an der Akademie in St. Petersburg mit der Auswertung der Expeditionsergebnisse. Er verfasst zahlreiche Publikationen und führt eine umfangreiche Korrespondenz mit der gelehrten Welt innerhalb und außerhalb Russlands. Mit seiner Arbeit erwirbt sich Pallas einen internationalen Ruf als Wissenschaftler, der auch in der Ernennung zum Mitglied in der ‚Gesellschaft der Naturforschenden Freunde Berlins' (1774) und der ‚Königlichen Sozietät der Wissenschaften' zu Göttingen (1777) deutlich wird.
 
Pallas Porträt von H. R. Heidel
Das in Marmor hergestellte Pallas Porträt (1854) stammt von H. R. Heidel (1810-1865)
 
Im Februar 1793 bricht Pallas zu einer zweiten Expedition in den Süden Russlands und zur Halbinsel Krim auf. Als Zeichner begleitet ihn der junge Leipziger Kupferstecher Christian Gottfried Heinrich Geißler, der später seine wissenschaftlichen Schriften illustrieren soll.
 
Im September 1794 kehrt Pallas nach St. Petersburg zurück, in seinem Gepäck hat er physisch-geographische Untersuchungen sowie eine reiche Sammlung von Materialien zur Geologie, Botanik, Zoologie, ökonomischen Geographie, Ethnographie, Archäologie, Linguistik, Landwirtschaft sowie zu Industrie und Handel der südrussischen Gebiete. Bis 1795 bleibt er in St. Petersburg und widmet sich der Auswertung der Ergebnisse der Reise und der alltäglichen Arbeit an der Akademie.
 
Pallas Grabstele
Pallas Grabstele aus rötlichem Quarzstein, am Halleschen Tor, Neue Kirche Friedhof 1 in der Nähe des Einganges Zossener Straße
 
1810, nach 43 Jahren, entschließt sich der inzwischen kranke Pallas nach Berlin zurückzukehren. Mit seiner verwitweten Tochter und dem Enkel lässt er sich in der Friedrichstraße 24 im heutigen Kreuzberg nieder. Berlin ist nicht mehr die gleiche Stadt wie im Jahr 1767. Jetzt gibt es hier eine Universität und einen Kreis reformerisch gesinnter Wissenschaftler, bei denen Pallas hohes Ansehen genießt.
 
Doch schon am 8. September 1811 stirbt Pallas. Sein Grab auf dem Jerusalem Kirchhof am Halleschen Tor wird bis heute von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt besucht.